Prag wurde im 14. Jahrhundert als Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches zu einem politisch und kulturellen Zentrum Mitteleuropas. In der „Goldene Stadt“ wurde die erste deutsche Universität errichtet. Nach der Errichtung von zwei Burgen durch die Premysliden im 9. und 10. Jahrhundert kamen jüdische und deutsche Kaufleute in die Stadt an der Moldau. In Prag wohnen heute um die 1,2 Millionen Menschen.
19.05.2012Die Geschichte der Prager Judenstadt, jüdisches Ghetto Prager Altstadt.
Eine Besichtigung der Prager Altstadt gehört zu den interessantesten Erlebnissen, auch wenn das ausgedehnte Viertel der Judenstadt zusammen mit den umliegenden Altstädter Gassen um die Wende des 19ten Jahrhunderts schonungslos abgerissen und mit Mietshäusern im neugotischen und Judenstil bebaut wurde. Ein großer Teil der historisch wertvollern Objekte ist trotzdem bis zur Gegenwart in seiner mittelalterlichen Gestalt erhalten geblieben und wird ständig restauriert. Die archäologische und kunsthistorische Erforschung liefere unablässig neue Beweise für den hohen Wert dieser Baudenkmäler. Deshalb wurde das gesamte Gebiet der Altstadt unter staatlichen Denkmalschutz gestellt.
Das ehemalige jüdische Ghetto
Wie alte Chroniken berichten, bestanden um das Jahr 1091 auf dem Gebiet der späteren Josefov bereits zwei Judensiedlungen in unmittelbarer Nähe der Altstädter Ringes. In diesen beiden geschlossenen Niederlassungen pflegten die Juden ihr eigenes miteinander verbundenes Verwaltungs- und Kultursystem mit Schulen und Synagogen. Im harten Existenzkampf mit der umwohnenden Bevölkerung erduldeten sie wiederholt Pogrome und mussten sogar mehrmals auswandern ( im Jahre 1541 und wiederum im Jahre 1744 wurden die Juden aus ganz Böhmenverbannt). Während die Bevölkerung rings umher Stadtrechte erlangte und die Herrscher die Altstadt mit zahlreichen königlichen Privilegien unterstützen, waren die Juden vom wirtschaftlichen und politischen Leben ausgeschlossen. Gesellschaftliche, religiöse und ökonomische Gründe hatten dazu geführt, dass die Juden in Gassen oder Vierteln wohnten, die von den übrigen Stadteilen durch Tore abgetrennt waren. Die aufgezwungene Absonderung bedeutete jedoch kein Erstarren der eigenständigen Kultur, die sich hier systematisch entfaltete.
Im Inneren der Judenstadt die vom 16. Jahrhundert an als Getto bezeichnet wurde konzentrierte sich das Leben um mehrere Synagogen. Die bedeutendste davon, die Staronova synagoga ( Altneusynagoge ) entstand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts kurz nach der Gründung der Altstadt und hat bis zum heutigen Tag ihre ursprüngliche Gestalt bewahrt. Seit Mitte des 15. Jahrhunderts, nach Aufhebung des außerhalb der Judenstadt im Raum der heutigen Vladislavova ulice ( Neustadt) angelegten jüdischen Hauptfriedhofes, waren die Juden genötigt, ihre Toten auf ihrem eigenen Stadtgebiet zu bestatten. So entstand der Alte Jüdischen Friedhof. Eine der Errungenschaften des Revolutionsjahres 1848 bestand auch darin, dass den Juden nunmehr politische und Bürgerrechte zugestanden wurden. Damals wurde die Judenstadt als fünfts Stadtviertel, Josefov( Josefstadt), benannt nach Joseph dem zweiten, in die Stadtgemeinde Prag eingegliedert. Nach 1896 wurde dieses ganze Viertel, diese altertümliche, eigenartige Siedlung, durch Abbruch vernichtet. Es verblieb lediglich der Alte Friedhof, mehrere Synagogen und das Jüdische Rathaus. Und eben diese Denkmäler sind Gegenstand der Besichtigung der ehemaligen Prager Judenstadt.
Das Staatliche Jüdisches Museum besteht aus mehreren, im Bereich des ehemaligen jüdischen Getto befindlichen Objekten. Der Klausensynagoge, dem Alten Jüdischen Friedhof, der Pinkas- Synagoge, der Altneusynagoge, der Hohen Synagoge, der Maiselsynagoge und der Spanischen Synagoge. Die Sammlungen des Staatlichen Jüdischen Museums kamen nicht wie es sonst üblich ist durch den Fleiß der Mitarbeiter des Museums zustande, sondern wie wurden nach 1942 zusammengerafft. Ein Museum eines beinahe untergegangenen Volkes. In den einzelnen Museumsobjekten sind Andenken und Ritualgegenstände aus 153 jüdischen Kultgemeinden Böhmens und Mährens zusammengefasst. In der Klausensynagoge wird Einblick in die Geschichte der Prager jüdischen Gemeinde gewährt. Alte Andenken, Rituale und Gebrauchsgegenstände, hebräische Drucke sowie Textilien und Ziergegenstände veranschaulichen die seit Jahrhunderten bewahrten jüdischen Traditionen und Gebräuche. Der anschließende Alte Jüdischer Friedhof ist die älteste und größte jüdische Begräbnisstätte Europas. Auf eng begrenztem Raum drängen sich, zum Teil übereinandergeschichtet, rund 12000 gotische, Renaissance und Barockgrabmäler, darunter Gräber von Astronomen, Mathematikern, Ärzten und vieler anderer bedeutender Persönlichkeiten, wie zum Beispiel dem gelehrten und als wundertätig gepriesenen Hohem Rabbi Jehuda Löw ben Bezallel. Die Pinkassynagoge wurde zur Gedächnisstätte der 77 297 vom Naziregime ermordeten Juden aus Böhmen und Mähren, deren Namen zum ewigen Gedenken und als Mahnung an den Wänden der Synagoge aufgezeichnet wurden. Die Altneusynagoge ist die älteste erhaltene Synagoge Europas. Sie wurde 1270 im frühgotischen Stil gebaut, und noch heute werden hier Gottesdienste abgehalten. Die Maiselsynagoge birgt Sammlungen von Ritualgegenständen aus Metall von großem kunsthistorischem Wert, Meisterstücke von Gold und Silberschmieden sowie Zinngießern aus ganz Mitteleuropa. In der Spanischen Synagoge ist heute eine Sammlung jüdischer Synagogaltextilien aus fünf Jahrhunderten untergebracht. Sie ist die größte der Welt und enthält mehr als 4500 Thoramäntel und über 2300 Tempelvorhänge, deren ältestes Stück aus dem Jahre 1592 datiert. All diese handgefertigten Gewebe, Stickereien und Brokate sind von unschätzbarem kulturhistorischem Wert.
Prager Altstadt - Historisches Prag - Stadtführungen in Prag zum Kennenlernen!
Tags: Die Geschichte der Prager Judenstadt, jüdisches Ghetto Prager Altstadt, Eurovision Baku 2012 Mandinga Zeleilah, Prager Altstadt - Historisches Prag - Stadtführungen in Prag zum Kennenlernen.
BARRIERE-FREIHEIT:
Die Schriftgröße kann über die Browser Strg-Taste in Kombination mit "+"- oder
"-" - Taste) verändert werden.